Short report of a visit in 2011


Pressebericht im MARKT

Dschiffna – auf der Ostseite der Mauer 
Besuch in einem Land, das es nicht gibt 

Der Freundeskreis Beer Yaacov hatte zu einem Bildervortrag mit anschließendem exotischem Imbiss eingeladen – diesmal war das Thema aber nicht die israelische Partnerstadt, sondern Palästina. 
Der Freundeskreisvorsitzende Dr. Hartmut Jokisch und seine Frau Brigitte hatten nach Gesprächen mit dem Bürgermeister von Beer Yaacov vor Ostern auch den kleinen Ort  Dschiffna in den von Israel besetzten und durch hohe Mauern abgeschotteten Gebieten besucht. 

Dschiffna  (Jifna) ist seit Jahrtausenden bekannt und kommt schon im Alten Testament vor (Ophni  im Buch Josua, 18, Benjamins Erbteil). 

Der Ort ist spätestens seit dem 6. Jahrhundert christlich, wie die Reste eines Kirchenbaus aus dieser Zeit bezeugen. In den 400 Jahren unter der Herrschaft der Türken in Nahost war es sogar die einzige rein christliche Gemeinde im Jerusalem-Distrikt. Heute gibt es neben der griechisch-orthodoxen und der zahlenmäßig stärkeren römisch-katholischen Bevölkerung eine kleine muslimische Minderheit. 
Das reizende kleine Städtchen (1.700 Einwohner) ist im Sommer zur Erntezeit der Aprikosen ein beliebtes touristisches Ziel auswärtiger Palästinenser – zumal auch ein modernes Schwimmbad und viele antike Sehenswürdigkeiten aus Römischen und Kreuzfahrer-Zeiten locken. 

„Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und bewirtet“, berichtet Jokisch und seine Frau pflichtet 
bei: „Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, sowohl beim offiziellen Empfang durch den Bürgermeister, 
als auch in unserer Gastgeberfamilie!“ 

Das Ehepaar besuchte auf seinen besonderen Wunsch hin auch das nahegelegene Flüchtlingslager Dschallasuhn, das auf der gleichen Fläche wie Dschiffna etwa das Zehnfache an Bewohnern in drangvoller Enge beherbergt.  Pikanterweise sind in Dschallasuhn gerade diejenigen Palästinenser untergekommen, die aus dem Bereich um Beer Yaacov im Krieg 1948 vertrieben worden sind. 

In Gesprächen mit der Lagerleitung wurde sehr deutlich, dass Dschallasuhn, trotz der Unterstützung durch die UNRWA (Wohltätigkeits- und Arbeits-Agentur der Vereinigten Nationen) an hoher Arbeitslosigkeit und mangelnder Infrastruktur leidet: Es gibt nur einmal pro Monat einen Arztbesuch, der dann etwa 1000 Patienten versorgen muss, es gibt keine Kanalisation und keine Müllabfuhr. 
Die enorme räumliche Enge im Flüchtlingslager ist unter diesen Bedingungen noch schwerer zu ertragen und führt zu Spannungen und Konflikten. 

„Hier wird die israelische Regierung – die ja genau auf diese palästinensischen Gebiete Anspruch erhebt - ihrer Verantwortung für die dort lebende Bevölkerung nicht gerecht“ kritisiert Jokisch.  Abu Khalil, als Jugendlicher in Dschiffna aufgewachsen, aber schon Jahrzehnte in Deutschland lebend, der dem Vortrag mit großem Interesse folgte, stimmte ihm zu: „ Wie soll es Frieden geben, wenn es keine Gerechtigkeit gibt. Wir Palästinenser erkennen Israel an, wenn auch Israel unsere Bedürfnisse anerkennt!“ 

Nach dem Vortrag gab es für die Besucher noch von Brigitte Jokisch hergestellte palästinensische  Köstlichkeiten wie Tchina, Humus, Manguschi und mit Satar gewürztes Blätterteiggebäck. So gestärkt beteiligten sich alle Gäste noch anschließend an einer intensiven Diskussion über die Lage im Nahen Osten. Alle Mitglieder des Freundeskreises waren sich einig: „Wenn wir im nächsten Jahr nach Beer 
Yaacov zur 25-Jahrfeier der Partnerschaft fahren, dann wollen wir auch Dschiffna besuchen!“ 







Comments

  1. I don't know the Arabic language, my text was transcribed by Nicola Abu-Khalil (Germany)

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